Thich Nhat Hanh
Thich
Nhat Hanh, vietnamesischer Mönch, Zen Meister, Poet und
Friedensaktivist, verbindet die spirituellen Wurzeln des Buddhismus mit
den aktuellen brennenden Fragen westlicher Zivilisation.
Thich
Nhat Hanh ist seit der Zeit des Vietnamkrieges als Vertreter eines
modernen und sozial-engagierten Buddhismus bekannt und findet als
Buchautor und Poet einen breiten LeserInnenkreis.
1982 gründete
er zusammen mit Schwester Chân Không in Südfrankreich das buddhistische
Kloster und Übungszentrum "Plum Village" für Nonnen, Mönche und Laien,
das als Gemeinschaft für ein Leben in Achtsamkeit bereits für viele
Besucher/innen ein heilender und wegweisender Ort wurde. Im September
2008 eroffnete Thich Nhat Hanh in Waldbröl, eine Stunde von Köln
entfernt das "Europäische Institut für angewandten Buddhismus - European
Institute of Applied Buddhism-EIAB", wo schon ca 20 Nonnen und Mönche
leben und angefangen haben, Kurse in achtsamem Leben zu geben:
http://www.eiab-maincampus.org/

In
den letzten Jahren entstanden zwei Klöster in den USA, "Deer Park
Monastery" in Kalifornien und "Blue Cliff Monastery" bei New York, die
auf der Grundlage seiner Lehre praktizieren. In Niederbayern gibt es seit 1999 das "Intersein-Zentrum für Leben in Achtsamkeit - Haus Maitreya". Im Oktober 2002 entstand das Übungszentrum "Quelle des Mitgefühls" in Berlin.
Darüber
hinaus haben sich in vielen Ländern Gruppen gebildet, die regelmäßig
zu Treffen zusammenkommen - in Berlin gibt es die "Quelle des
Mitgefühls", die Kreuzberger Sangha und die Zehlendorfer Sangha, die im
Geiste von Thich Nhat Hanh praktizieren.
Thich Nhat Hanh ist ein
Lehrer mit einer sanften, ruhigen und klaren Ausstrahlung, der bei jedem
Schritt seine Lehre verkörpert. Voller Wohlwollen und liebevollem
Gewahrsein nimmt er Kontakt zu den Menschen auf, die seine Vorträge und
Retreats besuchen. Mit einfacher Sprache findet er anschauliche
Bilder, um die Inhalte zu vermitteln und die Zuhörenden im Inneren
anzurühren, so dass nicht nur der Intellekt lauscht, sondern der ganze
Mensch berührt wird.
Die folgenden Zitate sind überwiegend einem
Vortrag in der Maryland Strafanstalt/ USA 2000 entnommen und geben einen
kleinen Einblick in seine Hilfestellungen zur Meditation und zum Umgang
mit heftigen Emotionen, um mehr Freiheit zu entwickeln.
"Es
gibt für mich kein Glücklichsein ohne Freiheit, doch Freiheit wird uns
nicht von irgend jemandem gegeben; wir müssen sie selbst entwickeln. Ich
will mit euch das Wissen darüber teilen, wie wir größere Freiheit für
uns selbst erreichen können...."

"Ihr
könnt Freiheit in jedem Moment eures täglichen Lebens praktizieren.
Jeder Schritt, den ihr geht, kann euch helfen, eure Freiheit
wiederzuerlangen. Jeder Atemzug kann euch helfen, eure Freiheit zu
entwickeln und zu kultivieren. Wenn ihr eßt, eßt als ein freier Mensch.
Wenn ihr geht, geht als ein freier Mensch, Wenn ihr atmet, atmet als ein
freier Mensch. Dies ist überall möglich."
"Atmet als ein
freier Mensch - Die Fähigkeit zum Ein- und Ausatmen ist ein Wunder. Ein
Mensch auf seinem oder ihrem Totenbett kann nicht mehr frei atmen, und
er oder sie werden bald ganz zu atmen aufhören. Aber ich lebe jetzt....
Ich lächle meinem Ausatem zu und bin mir meiner Lebendigkeit bewußt.....
Niemand kann euch davon abhalten, euren Einatem zu genießen. Atmet als
ein freier Mensch."

"Meister Linchi, ein berühmter Meditationslehrer, der im neunten
Jahrhundert lebte, sagte, das Wunder bestehe nicht darin, auf Wasser zu
gehen, sondern auf der Erde. Zwar gehen wir alle auf der Erde, doch gibt
es viele, die wie Sklaven gehen, jeglicher Freiheit bar....Solange wir
uns in unserem alltäglichen Leben unseren Sorgen, unserer Verzweifelung,
unserem Bedauern über Vergangenes oder unseren Zukunftsängsten
überlassen, sind wir keine freien Menschen."
"Unsere Gier und
unser Hass, unser Ärger und unsere Eifersucht und auch unsere
Gewohnheitsenergien bedingen unsere Wahrnehmungen.... Indem wir
Achtsamkeit üben, unseren Geist sammeln und tiefes Schauen praktizieren,
können wir die Irrtümer in unseren Wahrnehmungen entdecken und uns von
Angst und Anhaften befreien."
"Wenn ein Sturm kommt, bleibt
er eine Weile da und geht dann wieder. Eine Emotion verhält sich ebenso -
sie kommt und bleibt für eine gewisse Zeit und verschwindet dann
wieder. Eine Emotion ist nur eine Emotion. Wir sterben nicht aufgrund
einer Emotion. Wir sind viel mehr als eine Emotion. Wenn ihr also
bemerkt, dass eine Emotion aufkommt, ist es sehr wichtig, dass ihr euch
in eine stabile Sitzposition begebt, oder euch hinlegt. Dann
konzentriert eure Aufmerksamkeit auf euren Bauch. Euer Kopf gleicht
einem Baumwipfel inmitten eines Sturmes. Hier würde ich nicht verweilen.
Lenkt eure Aufmerksamkeit hinunter zum Stamm des Baumes, zu einem
Bereich, wo Stabilität spürbar ist.....Während ihr tief ein- und
ausatmet, seid euch des Hebens und Senkens eurer Bauchdecke
gewahr....Bleibt in dieser sitzenden oder liegenden Position einfach in
einer Weise auf euren Atem konzentriert, wie ein Mensch allein auf
offener See an seiner Rettungsweste festhalten würde. Nach einer Weile
wird die Emotion sich aufgelöst haben".

"Ihr solltet nicht erst warten, bis eine starke Emotion aufkommt, bevor
ihr zu üben beginnt.....ihr müsst jetzt üben, heute, während ihr euch
wohlfühlt....Wenn dann plötzlich Wut aufsteigt oder Verzweifelung euch
zu überwältigen droht, werdet ihr euch wie selbstverständlich der Übung
erinnern."
"Dies ist die beste Art, euch zu beschützen, die
ihr selbständig praktizieren könnt. Ich glaube immer, dass die Energie
der Achtsamkeit die Energie des Buddha ist, die Energie Gottes, des
Heiligen Geistes, die in uns ist, um uns alle Zeit zu beschützen."
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